Erholsame Nachtruhe: Was ist das?
Wer morgens fit und munter aus seinem Bett steigt, dem ist klar: Ich habe gut geschlafen. Wer dagegen missmutig den ersten Fuß aus dem Bett stellt, bei dem war die Nacht weniger erholsam. Das wichtigste Kriterium zur Unterscheidung „guter Schlaf“ und „schlechter Schlaf“ ist die persönliche Wahrnehmung. Dabei können die Umstände, die ein jeder als erholsam erachtet, recht unterschiedlich sein. Der eine braucht mindestens 8 Stunden Schlaf, dem anderen reichen auch 6 Stunden. Der eine lebt frei nach dem Motto „Früher Vogel fängt den Wurm“, der andere bevorzugt das Leben der „Nachteule“. Die Hauptsache ist, man wacht erholt auf.
Warum Nichtstun im Schlaf keine verlorene Zeit ist
Beim Schlafen selbst tut der Mensch nichts außer schlafen. Und trotzdem ist Schlaf keineswegs eine biologisch inaktive Zeit. Vielmehr finden komplexe physiologische Prozesse statt. Schlaf erfüllt zahlreiche Aufgaben: Dazu gehört eine Wiederauffüllung der Energiespeicher sowie eine Stabilisierung von Gelerntem. Schlaf unterstützt den Prozess der Gedächtnisbildung. Dinge, die am Tag erlebt wurden, werden verarbeitet. Die Schlafphasen geben dem Körper ausreichend Zeit, sich körperlich und emotional zu erholen. Zusätzlich unterstützt normaler Schlaf auch das Immunsystem. So ruhig wie manche schlafen, so ruhig ist es in unserem Körper zu dem Zeitpunkt nicht.
Was sind Schlafstörungen?
All die genannten Dinge, die im Schlaf reguliert werden, finden bei Schlafstörungen nicht ausreichend statt. Oft ist es nicht nur die Schlafdauer, die bei Schlafstörungen verkürzt ist. Schlechtes Einschlafen, vermehrtes und verfrühtes Aufwachen können vielmehr auch die Architektur des Schlafes verändern. Die Kontinuität der Schlafzyklen kann gestört werden, die relativen Anteile der verschiedenen Schlafstadien können sich verschieben. Als Folge kann es zu Abweichungen bestimmter Körperfunktionen kommen, deren Aktivität an bestimmte Schlafstadien gekoppelt ist: Beispielsweise können Atmung, Herzschlag, Hormone oder der Stoffwechsel beeinflusst werden.
Was Schlafmangel bewirken kann
Wer unter Schlafmangel leidet, der fühlt sich oft wie gerädert. Konzentrations- und Aufmerksamkeitsdefizite sowie Antriebsmangel, Erschöpfung und Stimmungsschwankungen sind bei Schlafmangel nicht selten. Fehlleistungen in der Arbeit, Krach in der Familie, aber auch ein Rückzug der Betroffenen aus dem Freundeskreis können die Folge sein. Man weiß inzwischen auch, dass Schlafmangel zu einem erhöhten Risiko für bestimmte Erkrankungen beitragen kann.
Insbesondere bei Menschen mit MS können nächtliche Schlafdefizite Mitauslöser für das chronische Erschöpfungssyndrom (Fatigue) sein. Auch körperliche Behinderungen können von den Betroffenen verstärkt wahrgenommen werden. Kein Wunder, wer müde ist, der ist auch irgendwie viel empfindlicher. Kurz gesagt, Schlafmangel sollte auf keinen Fall ein Dauerzustand sein.
Über die Entstehung von Schlafmangel
Ursachen für Schlafmangel gibt es viele. Man gönnt dem Körper nicht genug Schlaf oder die Schlafumgebung passt nicht. Andere haben Schwierigkeiten, vom Alltag abzuschalten. Bei wieder anderen ist es der Job, der keine festen Schlafzeiten zulässt. Es gibt aber auch Faktoren, die durch die MS bedingt sein können:
Nächtliche Schmerzen können Betroffene wecken.
Eine Blasenstörung kann Betroffene zu häufigen nächtlichen Ausflügen ins Bad zwingen.
Wenn die Seele leidet und Depressionen auftreten, kann sich auch die Schlafstruktur ändern.
Das Restless-Leg-Syndrom kann die wohlverdiente Ruhe stören.
Entzündliche Läsionen im Bereich der Schlaf-/Wachzentren des Gehirns können Schlafstörungen verursachen.
Noch Fragen? Nimm Kontakt mit unserem MS Service-Center auf. Wir freuen uns auf dich und helfen dir gerne weiter.
Warum du Schlafstörungen mit deinem Arzt besprechen solltest
Deine Schlafstörung kann vielfältige Ursachen haben. Einige von ihnen stehen im direkten Zusammenhang mit der MS. Deswegen lohnt es sich, wenn du deine Schlafstörung beim nächsten Besuch mit deinem Neurologen ansprichst. Dauert die Schlafstörung länger als 3 bis 4 Wochen, sollte eine ausführliche Klärung der Ursache erfolgen. Vielfach ist eine effiziente Behandlung möglich. So lassen sich z. B. Schmerzen aufgrund einer Spastik oft beheben. Es ist auch erwiesen, dass ein konsequentes Einhalten der MS-Behandlung Schlafstörungen verhindern kann.
Schlafmittel können übrigens nur eine vorübergehende Lösung sein. Vielleicht helfen auch Baldriantropfen. Am besten du suchst gemeinsam mit deinem Arzt nach einer Lösung. Das Gespräch lohnt sich, denn die Behebung deines Schlafdefizits und die Rückführung zu einem erholsamen Schlaf wird deine Lebensqualität erheblich steigern.
Was du selbst gegen Schlafstörungen tun kannst
Was kannst du selbst noch machen, damit es mit dem Schlafen besser klappt? Hier findest du eine Übersicht mit Tipps zum besseren Ein- und Durchschlafen:
Versuche, den Tag über körperlich aktiv zu sein. Nimm dir aber vor dem Schlafengehen genug Zeit, um zur Ruhe zu kommen.
Vermeide Übermüdung, da diese das Einschlafen erschweren kann.
Tanke den Tag über Sonnenlicht, aber meide grelles Licht am Abend. Vielleicht hilft es dir, mit Schlafmaske zu schlafen oder spezielle Verdunkelungsvorhänge bzw. Jalousien anzubringen.
Meide koffeinhaltige Getränke oder andere Stimulanzien, besonders in den vier Stunden vor dem Schlafengehen.
Versuche, eine Schlafroutine einzuhalten.
Vermeide es, im Schlafzimmer dein Smartphone zu benutzen oder fernzusehen. Dein Bett ist nur Schlafplatz und sonst nichts.
Probiere verschiedene Entspannungsmethoden aus, z. B. Meditation, Dehnübungen, Yoga oder Musikhören.
Sorge dafür, dass es in deinem Schlafzimmer angenehm kühl ist.