MS - Erfahrung

Hilfe bei Demenz von Angehörigen

Hier soll es um all die Menschen gehen, die so wichtig sind in schweren Zeiten.
von Glückskind66
Am 17. Oktober 2014, 09:54
Beiträge: 4633
Registriert: 28. Juli 2014, 07:55

Hilfe bei Demenz von Angehörigen

Hallo zusammen,

neben meinen eigenen Problemen bekomme ich nun ein großes weiteres dazu. Bei meinem Vater geht es extrem rapide abwärts.

Er wohnt allein, seit meine Mutter vor fast 13 Jahren verstorben ist. Das hat er (neben wahrscheinlich noch anderen Dingen wie den Ruhestand) nie verarbeitet. Sein Gedächtnis hat er schon immer nicht bemüht. Das brachte ihm auch immer genügend Aufmerksamkeit ein. Geholfen hat es ihm allerdings nie. Seit vielen jahren jammert er nur noch.

Jetzt habe ich dieses Jahr eine sechswöchige Reha gemacht und im Sommer dann endgültig die Diagnose MS (nach fünf Jahren) bekommen. Da war ich natürlich selbst etwas neben der Spur und konnte nur noch in Extremfällen (die sich jetzt aber häufen) eingreifen.

Nun geht bei ihm irgendwie nichts mehr.

Wir haben ihm schon den Pflegedienst zur Tablettengabe organisiert. Der Antrag auf Pflegestufe läuft. Die Gutachterin des MdK sprach von Pflegestufe Null?! Außerdem soll/will er im November in eine Wohnung mit Service umziehen.

Ich selbst gehe noch in Vollzeit arbeiten und versuche in meiner Freizeit viel für mich zu tun, um diesem Miststück, das da in mir schlummert, keinen Grund für einen Aufstand zu geben. Allerdings fühle ich mich gerade wie auf einem Drahtseil, das demnächst reißt.

Der Hausarzt meines Vaters kann nichts machen, der Neurologe will nicht. Und ich bin am Ende mit meinen Ideen (und meiner Kraft).

Hat jemand hier einen Tip?

Vielen Dank schon mal allein für's Lesen dieser Zeilen
Marga
Zuletzt geändert von Glückskind66 am 17. Oktober 2014, 09:56, insgesamt 1-mal geändert.

von Gast
Am 17. Oktober 2014, 10:06

Hilfe bei Demenz von Angehörigen

Hallo Marga!

Die Versorgung und Pflege von Demenzkranken kann sehr aufwendig und anstrengend sein.
Ich weiss aber,dass es eine Demenzbetreuung gibt.
Frage doch mal den zuständigen Pflegedienst.
Die können da einiges machen.
Die Demenzbetreuung unterstützt in finanzieller Hilfe und entlastet die Angehörigen.
Der finanzielle Zuschuss wird dann für die Betreuung(in welcher Art auch immer)verwendet.
Erkundige Dich da mal.
Eigentlich müssste der Pflegedienst Interesse haben,dies übernehmen zu können.

Toi.Toi.Toi!!!!und ganz viel Kraft.
lissy

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von Paulina
Am 17. Oktober 2014, 11:10
Beiträge: 7318
Registriert: 23. Januar 2013, 20:09

Hilfe bei Demenz von Angehörigen

Hallo Marga und Lissy,

ja, diese finanzielle Demenzbetreuung gibt es. Bei meiner Mutter waren das vor einigen Jahren 200 € im Monat, soviel ich mich erinnern kann. Wir hatten uns danach erkundigt, aber bei uns hat das nicht geklappt.

Aber man bekommt dieses Geld nicht selbst, um es dann ausgeben zu können, sondern man kann bestimmte Dienste in Anspruch nehmen wie Betreuung usw., aber das muß immer über solche Pflegedienst gehen, die das abstempeln für die KK. Ich hatte nämlich gedacht, man könnte die Betreuung durch unsern Schwiegersohn einsetzen, der viel für meine Eltern gemacht hat, oder die Fußpflege damit bezahlen, aber das ging nicht. Wenigstens war es vor ca. 4 Jahren so.

Marga, erkundige Dich mal bei Deiner KK danach. Soviel ich mich erinnern kann, kam damals ein neues Gesetz raus oder wurde so geändert, daß man dieses Geld auch für Demenzkranke beantragen kann, die keine Pflegestufe haben.

LG, Helga
Zuletzt geändert von Paulina am 17. Oktober 2014, 11:12, insgesamt 1-mal geändert.

von rimama
Am 18. Oktober 2014, 20:42
Beiträge: 1582
Registriert: 20. Dezember 2013, 14:31

Hilfe bei Demenz von Angehörigen

Hallo Marga,


Du ist im Moment wirlich gebeutelt:

Mein Schwiegervater bekommt im Moment 300 EUR in Pflegestufe 1 und Sachleistungen von 100 EUR im Monat. Die Sachleistungen können nur von Pflegediensten o,ä. abgerechnet werden

Der Neuro hat jetzt dringend angeraten eine Höherstufung zu beantragen, der Antrag läuft, dann ist beabsichtigt eine Tagespflege zu beauftragen. Sie will da aber partout nicht hin und weigert sich.

Versuch Unterstützung einer Tagespflege zu bekommen, hier gibts auch Gruppen die sich nur ein oder zwei Mal die Woche treffen. Dies wird über die Pflegestufe 0 abgerechnet. Es gibt auch gute Selbsthilfegruppen oder Infoabende.

Versuch früh genug anzufangen, ich fürchte den Zeitpunkt haben wir verpasst...

Ich wünsch Dir alles Gute.

Nicole


von Glückskind66
Am 19. Oktober 2014, 16:56
Beiträge: 4633
Registriert: 28. Juli 2014, 07:55

Hilfe bei Demenz von Angehörigen

Hallo zusammen,

Lissy, Helga und Nicole, danke für Eure Meldungen. Ihr scheint ja einschlägige Erfahrungen zu haben. Hoffentlich ist bei Euch nun alles in Ordnung.

Gestern kam der Brief der KK meines Vaters, daß wir 200 € monatlich für Betreuungsleistungen bekommen. Ich werde also nun mit dem Pflegedienst mal sprechen, was man damit anfangen kann.

Irgendwie müssen wir ihn beruhigen. Er ist wegen des anstehenden Umzugs völlig neben der Spur. Dabei organisieren wir alles. Er müßte nur das machen, was wir ihm sagen. Da stehen ihm aber irgendwelche Gedanken im Weg.

Ich hoffe, daß es mindestens eine Tagesunterbringung gibt, wo er in der heißen Phase hin kann. Sonst drehen wir wahrscheinlich alle durch. Es ist ja nicht so, daß ich nicht eigentlich dringend Urlaub bräuchte, um selbst mal zur Ruhe zu kommen.

Lissy, danke für den Tip mit der Demenzbetreuung. Ich hatte bisher nur den sozialpsychatrischen Dienst entdeckt. Und das wäre dann evtl. doch zu heftig. Obwohl viel dafür spricht, daß da auch noch eine Depression dabei ist. Aber diese Generation hat ja für psychische Dinge gar kein Verständnis. Da macht er ja sofort dicht.

Helga, das mit der Abrechnung über den Pflegedienst scheint immer noch so zu sein. Wäre für uns aber in Ordnung, da wir das sowieso nicht allein stemmen können. Und der Pflegedienst bringt schon die Medis und ist ganz in Ordnung. Und im neuen Wohnhaus auch im Erdgeschoß vor Ort. Ich hoffe nur, die Medikamentengabe geht nicht auch schon von den 200 € ab. Dann bleibt sicher nicht mehr viel für hauswirtschaftliche Hilfe über. Ab nächstem Jahr soll die Betreuung von Demenzkranken verbessert werden. Mal sehen, was das wird. Die jetzt beschlossene Änderung bei der Betreuung durch Angehörige ist ja ein schlechter Witz. Wo soll denn das Geld zum Abbezahlen von zinslosen Krediten herkommen? Und wer erwirtschaftet dann meine Rentenpunkte, so lange ich noch arbeiten gehen müßte (sind noch viele Jahre)?

Nicole, manchmal denke ich, auch wir sind schon zu spät dran. Aber es hat bei mir schon lange gedauert, bis ich begriffen habe, daß mein Vater den Kopf nicht mehr zum Denken benutzen kann. Mein Bruder ist nicht vor Ort und hat es erst in den letzten Wochen gemerkt. Mal sehen, was wir draus machen. Hoffentlich macht unser Vater mit.

Ich wünsche Euch alles Gute
Marga
Zuletzt geändert von Glückskind66 am 19. Oktober 2014, 16:56, insgesamt 1-mal geändert.

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von Paulina
Am 19. Oktober 2014, 17:53
Beiträge: 7318
Registriert: 23. Januar 2013, 20:09

Hilfe bei Demenz von Angehörigen

Hallo Marga,

diese 200 € sind eigentlich für zusätzliche Dienste für Demente gedacht, das bekommt man ja zusätzlich zum normalen Pflegestufengeld. Ich denke nicht, daß die Medikamentengabe dazu zählt. Man muß eben Sachleistungen in Anspruch nehmen, die diejenige Firma oder wer auch immer was macht, dann mit der KK abrechnen kann. Erkundige Dich mal bei der KK oder dem Pflegedienst, welche Leistungen genau damit gemeint sind.

Meine Mutter lebt schon 3 Jahre nicht mehr, aber damals war das ziemlich neu und wir haben es nicht in Anspruch genommen.

LG, Helga

von Gast
Am 19. Oktober 2014, 22:14

Hilfe bei Demenz von Angehörigen

Hallo Marga,

keine Sorge.Die Medikamentengabe geht über eine Verordnung vom Hausarzt.
Das muss die KK bestätigen und da entstehen für den Patienten keinerlei Kosten.

LG
lissy

von Madita1
Am 22. Oktober 2014, 15:01
Beiträge: 1908
Registriert: 24. Januar 2013, 16:17

Hilfe bei Demenz von Angehörigen

Hallo Glückskind, habe Deinen Beitrag gerade gelesen und bin erst mal über den MDK Entscheid entsetzt. Habt ihr Wiederspruch eingelegt? Das kann ja wohl nicht sein.Die Aufstockung bei Pflege Demenzkranker gilt ab 2015.

Trotzdem kann man jetzt schon einiges geltend machen.Informiere Dich bei der Kranken und Pflegekasse.Bist Du beim VDK Mitglied? Hilfe bekommt man da auf jeden Fall.Welchen Grund haben HA und Neuro, da nicht

mitzuziehen? Ich würde da nicht so cool mit umgehen. Hast Du die Arztberichte in Kopie daheim? Das ist letztendlich immer gut selber in der Hand zu haben.

Im Internet "Gesundheitsministerium" bekommst Du Antworten zu Demenzkranken und deren Pflege. Auch kann man da Mails mit Fragen stellen.

Man muß für alles kämpfen, aber in dem Fall würde ich auch den Ärzten sagen, das Du weitere Schritte einleitest.
Vielleicht knicken sie ja dann ein?

Es geht ja nicht unbedingt um finazielles sondern um einen Menschen, der nicht mehr in der Lage ist,sich zu versorgen.Bei Kindern nennt man das Elternzeit, bei Eltern " Kinderzeit". Sorry.

Es gibt auch sogenannte "Patientenfürsprecher"( zu erfahren über KK im Wohnbereich) die sich dieser Sachen annehmen.

So und jetzt bleibt mir nur noch Dir/Euch alles Gute zu wünschen.LG Madita











von Glückskind66
Am 22. Oktober 2014, 16:17
Beiträge: 4633
Registriert: 28. Juli 2014, 07:55

Hilfe bei Demenz von Angehörigen

Hallo zusammen,

kennt Ihr den Spruch: "Wer lesen kann, ist klar im Vorteil!"?

Ist echt zutreffend! In dem Brief waren am Ende drei Bescheide! Ich hatte nur den ersten und den letzten als solchen erkannt. Ist das jetzt auch schon bedenklich? Himmel, woher soll man denn als überfordertes Kind wissen, wie das alles funktioniert? Im Bekanntenkreis bin ich eine der Jüngsten und stehe jetzt schon vor dem Problem.

Nachdem ich jetzt alles gelesen und teilweise verstanden habe, bekommt mein Vater insgesamt über 500,00 €. Lt. Pflegedienst kann man damit ordentlich was anfangen. Die Absprachen dazu machen wir Anfang November, jetzt sind noch unheimlich viele organisatorische Dinge wegen seines Umzuges zu klären.


Madita, daß es ab 2015 besser werden soll, hat mir der Pflegedienst auch schon gesagt. Keine Ahnung, was das bedeutet. So lange können wir aber auch nicht warten. Im Moment geht es rapide bergab. Hoffentlich nur wegen der Aufregung, weil sich was ändert.


Uns ist es wichtig, daß es unserem Vater gut geht. Wir gehen arbeiten (u. a. für unsere Rente?!). Und ich soll/muß mich eigentlich auch um mich kümmern. Derzeit rede ich recht häufig mit meinem "Inneren Kind", damit mein ungebetener Hausgast sich nicht schon wieder in den Vordergrund spielt.

Und im Zweifelsfall wird gekämpft.

Nochmals vielen Dank für Eure Hinweise.
Liebe Grüße
Marga

von Katharina Meinrad
Am 9. Oktober 2019, 09:40
Beiträge: 5
Registriert: 4. Oktober 2019, 08:51

Re: Hilfe bei Demenz von Angehörigen

Ich bin gerade auch damit konfrontiert wie ich einem Angehörigen mit Demenz helfen könnte. Ich bin schon am Überlegen eine Pflegerin zu organisieren aber die heimischen sind mir zu teuer.
Daher wollte ich mich bei euch erkundigen ob ihr vielleicht Erfahrungen mit dieser Pflegeagentur hier http://www.prosenior-betreuung.de/ habt?